Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Stiftung Leben im Alter Herisau (LiA) schliesst das Haus Dreilinden per Ende Februar 2027 – ein halbes Jahr, bevor die Betriebsbewilligung ausläuft. Den Bewohnenden und Mitarbeitenden bietet die Stiftung Nachfolgelösungen an.
Schliessung Wie schon seit einigen Jahren bekannt, läuft die Betriebsbewilligung für das Haus Dreilinden per Ende 2027 aus. Die Infrastruktur sei in die Jahre gekommen und entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der Stiftungsrat der Stiftung Leben im Alter Herisau hat deshalb entschieden, das Haus bereits per Ende Februar 2027 zu schliessen. «Aktuell befinden noch zehn Bewohnerinnen und Bewohner im Haus Dreilinden – von insgesamt möglichen 22», sagt Max Nadig, Präsident des Stiftungsrat der Stiftung Leben im Alter Herisau (LiA). Da die Stiftung gesamthaft über 250 Pflegeplätze verfügt, sei es gut möglich, die zehn Bewohnenden, sofern sie denn möchten, ab Februar 2027 in einem anderen Haus der Stiftung unterzubringen. Auch der Geschäftsführer Markus Bittmann möchte, dass alles in guten Bahnen verläuft. «Es wäre schön, wenn die Dreilinden-Bewohnenden weiterhin bei uns bleiben würden. Mit kurzen Ausflügen in die Häuser Park und Ebnet konnten sie sich bereits ein Bild davon machen, wie es dort ist.» Aber natürlich sei ein Umzug in ein anderes Altersheim in der Region auch möglich. «Die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohnenden stehen bei uns an erster Stelle. Deshalb unterstützen wir sie nach Wunsch auch bei der Suche nach einem neuen Lebensort ausserhalb unserer Organisation.»
Wechsel leicht gestalten
Auch wenn schon lange bekannt ist, dass das Haus Dreilinden schliessen wird, sei es dennoch nicht für alle leicht. «Das Verständnis für die Schliessung ist vorhanden, es ist aber dennoch eine Traurigkeit darüber spürbar – es bewegt die Mitarbeitenden und Bewohnenden natürlich», sagt Nadig.
Daher sei zentral, Rücksicht zu nehmen und Verständnis für diese Traurigkeit zu haben, damit alles rund über die Bühne gehen kann. «Wir haben bereits mit allen Bewohnenden und Mitarbeitenden gesprochen, beziehungsweise die zuständige Person des Hauses hat dies getan. Es gibt Bewohnende, die sicher in unserer Stiftung bleiben und an einem anderen Ort unterkommen wollen – es kann aber gut sein, dass nicht alle innerhalb der Stiftung umziehen wollen», sagt Nadig. Das liege vor allem daran, dass man das Haus Dreilinden mit keinem der anderen Häuser der Stiftung vergleichen könne. Die anderen Häuser seien um einiges grösser und moderner. «Das gefällt vielleicht nicht allen. Wir werden sehen, wie viele wechseln wollen. Bei jenen Bewohnenden, die nicht mehr selbst entscheiden können, haben wir mit den Angehörigen das Gespräch gesucht. Wichtig ist, nahe an den Bewohnenden zu sein, damit der Wechsel so leicht wie möglich wird», meint Nadig.
Mitarbeitende können wechseln
In den anderen Häusern der Institution sei die Belegung zwar gut bis hoch, er macht sich aber keine Sorgen, Plätze für zehn Personen zu finden. «In der Institution geschieht in sechs Monaten viel. Und wer nicht in eines unserer Häuser wechseln will, kann in ein Alters- und Pflegeheim in der Region wechseln», sagt der Stiftungsratspräsident. Dass das Haus Dreilinden überhaupt bis 2027 geöffnet sein konnte, war so nicht vorgesehen. «Als wir das Haus übernommen haben, hiess es, die Betriebsbewilligung liege bis 2025 vor. Wir konnten dann beim Kanton eine Verlängerung erwirken», sagt Nadig. Doch warum ist das Haus so niedrig belegt? «Je näher man ans Ende der Betriebsbewilligung kommt, desto weniger melden sich für das Haus an – da ein Umzug dann ja immer kürzer bevorsteht. Und die Infrastruktur entspricht schlicht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Wir haben stets gesagt, wenn die Belegung unter 15 Personen fällt, müssen wir prüfen, ob das betriebswirtschaftlich noch tragbar ist. Und der Kosten-Nutzen-Faktor ist so nicht mehr gegeben», sagt Nadig. Im Haus Dreilinden arbeiten rund 10 bis 15 Personen, die meisten in Teilzeit. Auch für die Mitarbeitenden besteht die Möglichkeit, innerhalb der Institution zu wechseln. «Es muss niemand auf der Strasse stehen. Einige der Mitarbeitenden gehen in Pension. Sie haben teils bis über die Pension weitergemacht, da sie bleiben wollten, bis das Dreilinden schliesst. Alle, die bleiben möchten, übernehmen wir in der Stiftung sehr gerne», sagt Nadig. Er sagt, auch die Mitarbeitenden werden das Dreilinden vermissen, nicht nur die Bewohnenden.
Pflegeplätze werden ersetzt
Die Stiftung Leben im Alter hatte die Absicht, auf den Zeitpunkt der Schliessung bereits eine Nachfolgelösung in Form eines Neubaus anbieten zu können. Das habe zeitlich aber nicht ausgereicht. «Wir wollen die 22 Pflegeplätze ersetzen können und sind kurz davor, dies zu erreichen», sagt Nadig.
Die Suche nach einem geeigneten Standort sei zeitintensiv gewesen. «Das ist nicht ganz so leicht – es muss im näheren Umfeld der anderen Standorte sein, damit wir Synergien sinnvoll nutzen können», sagt er. Jetzt habe die Stiftung aber einen zweckmässigen Standort gefunden, jedoch sei noch nicht alles in trockenen Tüchern. «Wir sind aber kurz vor einer Vertragsunterzeichnung», meint er. Die Plätze des Hauses Dreilinden werden also in näherer Zukunft in zeitgemässem Standard ersetzt. «Würden wir die Plätze nicht ersetzen, hätten wir zwar nicht heute, aber in einigen Jahren ein Platzproblem», so Nadig. Die demografische Entwicklung zeige, dass es dann auch in Herisau zu wenig Plätze geben würde.
Nicht finanzierbar
Vor rund zwei Jahren verkaufte die Stiftung Leben im Alter Herisau die Liegenschaft Dreilinden an Florian und Karolin Sutter von Herisau. Dies mit der Option, das Altersheim bis 2027 weiterbetreiben zu können. Die Übergabe an die Käuferschaft wird nun vorbereitet. Vor dem Verkaufsentscheid klärte die Stiftung verschiedene Möglichkeiten ab, wie beispielsweise eine Komplettsanierung des Hauses oder einen Abbruch und Neubau. «Eine zeitgemässe, finanzierbare Lösung im Bereich der Altersbetreuung war jedoch aufgrund der baurechtlichen Einschränkungen sowie der kantonalen Vorgaben für Alters- und Pflegeheime auf dieser Liegenschaft nicht mehr möglich.» Wie die Liegenschaft Dreilinden weiter genutzt wird, ist Nadig nicht bekannt.
Stefanie Rohner
Lade Fotos..